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Ich
war bald 28 Jahre alt, als ich zum zweiten Mal die Zwischenprüfung
nicht bestand. Fünf Jahre vorher hatte ich mit dem Studium der
Wirtschaftswissenschaft an der Universität Zürich begonnen. Im Rückblick
muss ich sagen, dass ich eigentlich einfach dasselbe wählte wie mein
Freund.
Während
der ersten drei Semester stellten sich mir durch verschiedene
Schicksalsschläge viele Hürden, so dass ich mich kaum um das Studium
kümmerte.So kam es wie es kommen musste, ich bestand die Zwischenprüfungen
nicht. Ich entschied mich für den Ausstieg aus dem Studium und begann
als Praktikantin in einem Unternehmen in Bern zu arbeiten.Schon nach
kurzer Zeit wurde mir klar, dass ich wieder an die Uni zurück wollte.
Doch der Gedanke, dorthin zurückzukehren, wo ich versagt hatte,
gefiel mir nicht. Also entschied ich mich, die Universität zu
wechseln und mit Betriebswirtschaft weiterzufahren. Ich musste vieles
wiederholen, hatte noch immer wenig Freude am Studium und ich bestand
auch hier die Zwischenprüfungen nicht. Jetzt stand ich da und wusste
nicht, ob ich mich noch einmal für die ganze Prüfungsvorbereitung
aufraffen könnte. Auch kamen mir immer wieder Zweifel an der
Richtigkeit der Studienrichtung. Diese Zweifel belasteten mich schwer,
denn alle meine Bekannten bewegten sich in diesem Umfeld. Und mein
Freund war inzwischen schon fast fertig mit seinem Studium in Zürich.
Damit
war für mich der Zeitpunkt erreicht, mit einer Laufbahnberatung zu
beginnen. In einem ersten Gespräch mit meiner Beraterin schälten wir
die wichtigen Fragen heraus. Ich wollte in dieser Beratung u.a.
folgendes abklären:
- Welche
Alternativen habe ich konkret?
- Brauche
ich ein Studium?
- Soll
mein Beruf mit Wirtschaft zu tun haben?
- Was
interessiert mich denn sonst noch?
In
der anschliessenden Testsitzung kam ich mir fast vorwie an einer Prüfung,
nur dass ich mich hier, beispielsweise in einem Interessenfragebogen,
zwischen vielen verschiedenen Tätigkeiten entscheiden musste. Dabei
merkte ich, dass ich mich häufig sehr schwer tat mit meinen
Entscheidungen.
In
den
folgenden Gesprächen waren meine Stärken, meine Interessen und meine
Präferenzen im Zentrum. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die
Diskussion darüber, was mir in meiner Arbeit eigentlich wichtig ist
und womit ich mich beschäftigen möchte. Dabei merkte ich, dass ich
sehr am Bild der erfolgreichen Berufsfrau, die in einem prestigeträchtigen
Umfeld viel Geld verdient, hänge. Gleichzeitig wurde mir aber auch
klar, dass mir das eigentlich gar nicht so viel Wert ist. Und trotzdem
schwankte ich immer wieder hin und her.
Durch
diese intensive Auseinandersetzung habe ich für mich herausgefunden,
dass ich nicht weiterstudieren, sondern einen praxisorientierten Weg
gehen möchte und, dass mich ganz andere Themen als die Wirtschaft
interessieren. Aus einer ganzen Liste von Möglichkeiten haben wir die
Themenschwerpunkte Medizin und Personalwesen herausgearbeitet.
Nach
der Durchsicht aller möglichen Ausbildungswege habe ich mich für
Medizin entschieden, nur war noch nicht klar in welcher Richtung.
Verschiedene Schnuppertage, Interviews mit Berufsleuten und Besuche
von Ausbildungsinstitutionen haben mir klargemacht, dass ich eine
Ausbildung zur Physiotherapeutin machen möchte und dafür auch
geeignet bin.
Meine
Beraterin hat mir einen Rahmen gegeben, in dem ich mich mit Fragen
auseinander setzen konnte, die ich früher nie näher angeschaut
hatte. So war ich auch gezwungen, mich von bestimmten Vorstellungen zu
verabschieden. Anfänglich tat ich mich schwer damit, heute bin ich
froh darüber.
Auch
nach Abschluss der Beratung habe ich mir im Rahmen des Coachings die
Unterstützung holen können, die ich brauchte, um meinen Weg
weiterzugehen. Heute weiss ich, was ich erreichen will, habe die nötigen
Argumente und bin sicher, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
A.C.
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