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Erfahrungsbericht eines 51-jährigen Logistikers

 

Ich bin 51 Jahre alt. Seit über 20 Jahren arbeitete ich in der gleichen Firma, einem Produktionsbetrieb für Papier. Meine Fachgebiete waren Logistik und Spedition. Diese Aufgaben gefielen mir eigentlich und ich habe während meiner Laufbahn viel Wissen und Erfahrung aufbauen können.

Seit längerer Zeit hatte ich aber Schwierigkeiten mit dem Arbeitsumfeld. Immer wieder gab es Wechsel bei den Führungspersonen und jeder gewichtete wieder anderes. Veränderungen finde ich zwar grundsätzlich gut, aber nicht, wenn nur über Druck und Gewinnmaximierung geführt wird. Ich entschloss mich zu kündigen, obwohl ich wusste, dass ein Neuanfang in meinem Alter nicht einfach sein würde. Aber nach längerer Krankheit hat mir mein Arzt deutlich klar gemacht, dass ich besser für mich und meine Gesundheit schauen müsse. Dass meine gesundheitlichen Probleme in erster Linie mit der schwierigen Situation am Arbeitsplatz zusammenhing war sehr bald klar, also entschloss ich mich zu einer umfassenden Standortbestimmung.

Durch einen ehemaligen Arbeitskollegen bin ich auf das S&B Institut aufmerksam geworden. Ich habe mich also für eine Beratung angemeldet. Bereits vor dem ersten persönlichen Gespräch erhielt ich von meinem Berater Arbeit! Er schickte mir ein Arbeitsbuch, in dem ich viele Fragen über meine jetzige Berufs- und Lebenssituation beantworten musste. Die Beschäftigung mit diesen Fragen löste bei mir einiges aus, denn so intensiv hatte ich mich natürlich nie mit mir beschäftigt. Das Diagramm, das sich auf Grund der Antworten erstellen liess, bestätigten mir, dass vor allem im Bereich Arbeit etwas geschehen muss. Die Zufriedenheit in den Bereichen Arbeitsinhalt und Arbeitsbedingungen war extrem tief. Aber ausserdem sah ich Schwarz auf Weiss, dass meine persönlichen Kraft- und Energiereserven am Sinken waren und dass auch mein Selbstvertrauen zu bröckeln begann. Das erschreckte mich ziemlich, und es bestätigte mir, dass meinen Entschluss zu kündigen richtig gewesen war. 

In der Beratung hatte ich viel Zeit, meine Position noch genauer zu hinterfragen und darzulegen. Gemeinsam mit dem Berater haben wir meine Erwartungen und den Ablauf der Beratung festgelegt. 

In einem zweiten Termin musste ich diverse Tests ausfüllen. Viele Fragen über Wissen, Interessen, eigene Einschätzungen etc. wurden mir vorgelegt. Die Antworten fielen mir nicht immer leicht, vor allem wenn es darum ging, mich selber einzuschätzen. Da waren die Leistungsfragen einfacher. Entweder man wusste es oder nicht - oder aber man hatte nicht genügend Zeit alle Fragen zu beantworten. Das Ganze war sehr anstrengend.

Alle diese Einzeltests haben wir in einem folgenden Gespräch im Detail ausgewertet und besprochen. Ich merkte, dass vieles mit dem übereinstimmte, wie ich mich selber kenne. Es gab aber auch einige Abweichungen, die mir damals nicht so ganz klar waren. Zwischen den Gesprächsterminen arbeitete ich immer wieder im Arbeitsbuch „Erfolg im Beruf“. Es waren viele Aufgaben darin, die zwar nicht direkt auf eine Lösung hindeuteten, die aber schlussendlich dazu führten, dass ich mich selber noch besser kennen lernen und bestätigen konnte. 

Nach fünf Gesprächsterminen innerhalb von drei Monaten war es soweit, dass mein Berater mir in einem schriftlichen Bericht einen Überblick präsentierte. Damit hatte ich eine Zusammenfassung aller Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich im Lauf der Beratung mit ihm erarbeitet hatte. Der Bericht gab über meine Persönlichkeit, Sozialkompetenz, Fähigkeiten, Interessen und mein Arbeitsverhalten Auskunft. Aber auch meine Entwicklungsmöglichkeiten und vor allem auch Empfehlungen und weitere Schritte hat der Berater darin aufgeführt. Ich war schon etwas erstaunt, wie genau dieser Bericht mich beschreibt, meine positiven Seiten zeigt, aber auch meine Schwächen dokumentiert. Den Bericht habe ich noch mehrmals gelesen und auch meiner Partnerin gezeigt. Auch sie war erstaunt und sagte, dass sie mehr als 15 Jahre gebraucht habe, um mich so gut kennen zu lernen.

Während der Beratung habe ich bereits begonnen Bewerbungen zu schreiben, mein Berater hat mich dabei unterstützt. Ich war auch froh, einen Austauschpartner zu haben, wenn es darum ging, Vorstellungsgespräche vorzubereiten und Entscheidungen zu treffen. Denn ich wollte ja nicht die erstbeste Stelle annehmen, sondern eine finden, die zu mir passt und in der ich mich auch einbringen kann.

In den darauf folgenden Monaten war ich nicht mehr so oft in Bülach, habe aber immer wieder per E-Mail über den Stand meiner Abklärungen und Bewerbungen berichtet. Ich bekam immer prompt eine Antwort mit  zusätzlichen Anregungen. Ich habe zwar nicht gleich eine Stelle gefunden, bin aber öfter zu Gesprächen und Informationen eingeladen worden. Auch aktiv habe ich mich bei Unternehmen beworben, die gar kein Inserat gesetzt hatten. Und auch hier wurde ich eingeladen, leider mit der Antwort, dass im Moment nichts offen sei, man aber grundsätzlich an mir interessiert wäre. Dies hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin und hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.

Schlussendlich hatte ich zwei Stellen zur Auswahl. Die eine für sofort, die andere in einem knappen halben Jahr. Ich entschloss mich nach gründlicher Prüfung für die zweite, denn an dieser Stelle sagte mir zu, dass ich neben der Tätigkeit als Logistiker auch einen Ausbau der Dienstleistung planen und umsetzen kann. Dies entspricht mir, denn so kann ich auch meine Weiterbildung, die ich im Moment absolviere, einsetzen. In der Beratung hatte sich klar gezeigt, dass ich mich weiterbilden muss, um mich in dieser gewünschten Position bewerben und dann auch behaupten zu können.

Insgesamt war die Beratung recht aufwendig und ich musste und wollte ja auch immer vorbereitet zu den Gesprächen nach Bülach gehen. Ich bin überzeugt, dass die Entscheidung, diese Beratung zu machen, für mich richtig war. Sie hat mir geholfen, meinen Entscheid zur Kündigung zu bestätigen und meine weiteren Ziele so klar festzulegen, dass ich entschlossen und überzeugend auftreten konnte. Die Beratung ist zwar teuer, hat sich aber gelohnt.

Der Nachteil der Beratung war, dass es doch einige Zeit ging, bis ich mit Sicherheit wusste, was ich unternehmen wollte. Dies fand ich schwierig, da ich ja gekündigt hatte und rasch eine neue Stelle brauchte. Doch auf der anderen Seite bin ich froh, dass ich nicht eine schnelle Lösung gewählt habe, die aber nicht gründlich genug überlegt gewesen wäre.

F.L.

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